Der feigenbaum gehört zu den beliebtesten obstbäumen in heimischen gärten und auf terrassen. Seine süßen früchte erfreuen sich großer beliebtheit, doch ohne die richtige pflege bleibt der ertrag oft hinter den erwartungen zurück. Ein fachgerechter schnitt spielt dabei eine entscheidende rolle und kann den unterschied zwischen einer mageren und einer üppigen ernte ausmachen. Viele hobbygärtner scheuen sich jedoch vor diesem eingriff, aus angst, dem baum zu schaden. Dabei ist das beschneiden mit dem richtigen wissen und zur passenden zeit gar nicht so kompliziert.
Einführung in das Beschneiden des Feigenbaums
Die grundlagen des feigenbaumschnitts verstehen
Das beschneiden eines feigenbaums unterscheidet sich grundlegend von anderen obstbäumen. Feigen tragen ihre früchte an einjährigen trieben, was bedeutet, dass die diesjährigen neutriebe im folgenden jahr früchte bilden. Diese besonderheit macht den schnitt zu einer kunst, die präzision erfordert. Ein zu radikaler rückschnitt kann die ernte des kommenden jahres gefährden, während ein zu zaghafter schnitt zu einem dichten wuchs mit wenig fruchtertrag führt.
Unterschiede zwischen jungen und alten feigenbäumen
Bei der schnittführung muss zwischen verschiedenen altersstufen unterschieden werden:
- Jungbäume benötigen einen erziehungsschnitt, um eine stabile grundstruktur aufzubauen
- Etablierte bäume profitieren von einem jährlichen erhaltungsschnitt zur förderung der fruchtbildung
- Ältere exemplare können durch einen verjüngungsschnitt wieder zu neuem wachstum angeregt werden
- Kübelpflanzen erfordern häufigere schnittmaßnahmen aufgrund des begrenzten wurzelraums
Die kenntnis dieser unterschiede bildet die basis für alle weiteren schnittmaßnahmen und ermöglicht es, gezielt auf die bedürfnisse des jeweiligen baums einzugehen.
Warum den Feigenbaum beschneiden: die Vorteile für die Ernte
Steigerung der fruchtqualität und -quantität
Ein regelmäßiger schnitt führt zu größeren und süßeren früchten. Durch das auslichten der krone gelangt mehr sonnenlicht an die verbleibenden triebe, was die photosynthese ankurbelt und die zuckereinlagerung in den früchten fördert. Gleichzeitig wird die energie des baums auf weniger, dafür aber kräftigere triebe konzentriert, die wiederum mehr früchte von besserer qualität hervorbringen können.
Verbesserung der baumgesundheit
Das entfernen von kranken, beschädigten oder sich kreuzenden ästen verhindert die ausbreitung von krankheiten und schädlingen. Eine luftige krone trocknet nach regen schneller ab, was pilzinfektionen vorbeugt. Zudem können durch den schnitt potenzielle bruchstellen erkannt und beseitigt werden, bevor sie unter der last der früchte nachgeben.
Formgebung und platzbedarf
Besonders in kleineren gärten ist die kontrolle der baumgröße wichtig. Durch gezieltes beschneiden lässt sich der feigenbaum kompakt halten und in die gewünschte form bringen:
| Wuchsform | Platzbedarf | Ertragspotenzial |
|---|---|---|
| Buschform | 2-3 m Durchmesser | Mittel bis hoch |
| Hochstamm | 3-4 m Durchmesser | Hoch |
| Spalier | 0,5-1 m Tiefe | Mittel |
Diese vorteile zeigen deutlich, dass der schnitt keine option, sondern eine notwendigkeit für jeden ambitionierten feigengärtner darstellt.
Wann man einen Feigenbaum beschneiden sollte, um die besten Ergebnisse zu erzielen
Der optimale zeitpunkt im jahresverlauf
Der späte winter oder das zeitige frühjahr gelten als idealer zeitpunkt für den hauptschnitt. Konkret bedeutet dies die monate februar bis märz, kurz bevor der baum aus der winterruhe erwacht. Zu diesem zeitpunkt sind die reservestoffe in den wurzeln eingelagert, und der baum kann seine energie optimal in neue triebe investieren. Ein schnitt während der vegetationsperiode würde den baum unnötig schwächen.
Ausnahmen und besondere situationen
In bestimmten fällen weicht man von dieser regel ab:
- Sommerschnitt im juni zur auslichtung bei zu dichtem wuchs
- Notfallschnitt bei sturmschäden oder krankheitsbefall jederzeit möglich
- Leichter formschnitt bei kübelpflanzen mehrmals jährlich durchführbar
- Entfernen von wasserschossen während der wachstumsphase empfehlenswert
Witterungsbedingungen beachten
Neben dem kalendarischen zeitpunkt spielen auch die aktuellen wetterverhältnisse eine rolle. Schneiden sie niemals bei frost, da die schnittwunden dann schlecht verheilen und der baum zusätzlichen stress erleidet. Auch bei starker sonneneinstrahlung sollte auf den schnitt verzichtet werden, um verbrennungen an freiliegenden stellen zu vermeiden. Ein bewölkter, frostfreier tag mit temperaturen über fünf grad celsius bietet ideale bedingungen.
Mit diesem wissen über den richtigen zeitpunkt ausgestattet, stellt sich nun die frage nach den passenden werkzeugen für die praktische durchführung.
Die unverzichtbaren Werkzeuge für einen effektiven Schnitt
Grundausstattung für den hobbygärtner
Für einen professionellen feigenbaumschnitt benötigen sie folgende qualitätswerkzeuge:
- Eine scharfe gartenschere für äste bis zwei zentimeter durchmesser
- Eine astschere mit langen griffen für dickere äste bis vier zentimeter
- Eine baumsäge für äste über vier zentimeter durchmesser
- Desinfektionsmittel zur reinigung der werkzeuge zwischen den schnitten
- Wundverschlussmittel für größere schnittstellen
- Arbeitshandschuhe zum schutz vor dem milchsaft
Pflege und wartung der schneidwerkzeuge
Die schärfe der werkzeuge ist entscheidend für saubere schnitte, die schnell verheilen. Stumpfe klingen quetschen das gewebe und schaffen eintrittspforten für krankheitserreger. Nach jedem einsatz sollten die werkzeuge gereinigt und mit alkohol desinfiziert werden. Regelmäßiges schärfen erhält die schnittqualität und erleichtert die arbeit erheblich.
Sicherheitsausrüstung nicht vergessen
Neben den schneidwerkzeugen gehört auch eine angemessene schutzausrüstung zur grundausstattung. Der milchsaft des feigenbaums kann hautreizungen verursachen, weshalb langärmelige kleidung und handschuhe unerlässlich sind. Bei arbeiten an größeren bäumen empfiehlt sich zudem eine schutzbrille gegen herabfallende äste und eine stabile leiter mit rutschfesten füßen.
Nachdem die werkzeugfrage geklärt ist, können wir uns den konkreten arbeitsschritten zuwenden.
Die wichtigsten Schritte, um einen Feigenbaum richtig zu beschneiden
Vorbereitung und bestandsaufnahme
Bevor sie zur schere greifen, sollten sie den baum aus verschiedenen perspektiven betrachten. Identifizieren sie tote, kranke und beschädigte äste, die auf jeden fall entfernt werden müssen. Markieren sie sich kreuzende triebe und nach innen wachsende äste mental oder mit farbigen bändern. Diese systematische herangehensweise verhindert übereilte schnitte, die später bereut werden.
Der schritt-für-schritt ablauf
Folgen sie dieser bewährten reihenfolge:
- Entfernen sie zunächst alle toten und kranken äste bis ins gesunde holz
- Schneiden sie steil nach oben wachsende wasserschosse direkt am ansatz ab
- Lichten sie die krone aus, indem sie sich kreuzende und reibende äste entfernen
- Kürzen sie zu lange triebe um ein drittel bis maximal die hälfte ein
- Achten sie darauf, dass der schnitt knapp über einer nach außen zeigenden knospe erfolgt
- Setzen sie den schnitt in einem leichten winkel an, damit regenwasser ablaufen kann
Die richtige schnitttechnik anwenden
Bei jedem schnitt gilt: sauber und präzise arbeiten. Der schnitt sollte etwa fünf millimeter über der ausgewählten knospe angesetzt werden, nicht zu nah und nicht zu weit entfernt. Ein zu naher schnitt beschädigt die knospe, ein zu weiter hinterlässt einen stummel, der absterben kann. Bei dickeren ästen empfiehlt sich die drei-schnitt-methode: erst von unten ansägen, dann von oben durchtrennen und abschließend den stummel sauber am astring absetzen.
Nachbehandlung der schnittwunden
Größere schnittstellen ab zwei zentimeter durchmesser sollten mit einem speziellen wundverschlussmittel behandelt werden. Dies schützt vor dem eindringen von krankheitserregern und fördert die kallusbildung. Bei kleineren schnitten ist dies in der regel nicht notwendig, da der baum diese selbst verschließen kann.
Diese grundtechniken bilden das fundament, auf dem erfahrene gärtner mit zusätzlichen expertentipps aufbauen.
Expertentipps zur Maximierung Ihrer Feigenernte
Die zweijährige fruchttragung nutzen
Viele feigensorten bilden zwei fruchtgenerationen pro jahr: die frühen früchte entwickeln sich bereits im vorjahr und reifen im juni, während die haupternte an den diesjährigen trieben im august und september erfolgt. Erfahrene gärtner passen ihren schnitt dieser eigenheit an und entfernen beim winterschnitt nicht alle triebspitzen, um die frühfrüchte nicht zu verlieren.
Wurzelschnitt für mehr ertrag
Ein wenig bekannter trick besteht darin, die wurzeln zu begrenzen. In der natur wachsen feigenbäume oft in felsspalten mit wenig wurzelraum, was sie zur verstärkten fruchtbildung anregt. Im garten lässt sich dieser effekt durch das einsetzen einer wurzelsperre oder durch das kultivieren in großen kübeln nachahmen. Ein kontrollierter wurzelschnitt alle paar jahre kann ebenfalls die fruchtbildung stimulieren.
Optimale nährstoffversorgung nach dem schnitt
Nach dem schnitt benötigt der baum zusätzliche nährstoffe, um die wunden zu verschließen und kräftige neutriebe zu bilden. Eine ausgewogene düngung im frühjahr mit folgenden komponenten unterstützt diesen prozess:
| Nährstoff | Funktion | Empfohlene Menge |
|---|---|---|
| Stickstoff | Triebwachstum | 80-100 g/m² |
| Phosphor | Wurzelbildung | 40-60 g/m² |
| Kalium | Fruchtqualität | 100-120 g/m² |
Dokumentation für kontinuierliche verbesserung
Führen sie ein gartentagebuch, in dem sie schnitttermine, entfernte astmenge und die darauf folgende ernte dokumentieren. Diese aufzeichnungen helfen ihnen, ihre technik von jahr zu jahr zu verfeinern und die individuellen bedürfnisse ihres baums besser zu verstehen. Fotografieren sie den baum vor und nach dem schnitt sowie zur erntezeit, um visuelle vergleiche anstellen zu können.
Das beschneiden eines feigenbaums erfordert zwar etwas übung und mut zum ersten schnitt, zahlt sich aber durch deutlich verbesserte erträge aus. Mit dem richtigen zeitpunkt zwischen februar und märz, scharfem werkzeug und der systematischen entfernung von totem holz sowie sich kreuzenden ästen legen sie den grundstein für eine reiche ernte. Die besonderheit, dass feigen an einjährigen trieben fruchten, macht einen durchdachten schnitt zur pflicht für jeden, der süße früchte in großer zahl ernten möchte. Wer zudem die expertentipps zur wurzelbegrenzung und nährstoffversorgung beherzigt, wird mit einem gesunden, produktiven baum belohnt, der über viele jahre hinweg zuverlässig trägt.



